Author: Peter Amrhyn

Digitale Souveränität: Schlüssel zu Vertrauen im digitalen Geschäft

Ist digitale Souveränität nur eine Angelegenheit politischer Entscheidungsträger? Nicht wirklich; für jede Organisation, die online unterschreibt, besiegelt oder zertifiziert, kann das Fehlen digitaler Souveränität zu einem Geschäftsrisiko werden.

Im heutigen digitalen Geschäftsumfeld stellen sich täglich Fragen wie die folgenden: Ist diese E-Mail echt? Hat die in diesem Vertrag genannte Person ihn wirklich unterzeichnet? Können wir nachweisen, dass dieser Protokolleintrag nicht verändert wurde? Eine fundierte Antwort stützt sich in der Regel auf Zertifikate, elektronische Signaturen, Siegel und Zeitstempel, die von Vertrauensdienstleistern (TSPs) bereitgestellt werden. Der Erwerb solcher Dienste ist keine große Sache, doch im Jahr 2026 müssen Unternehmen hinter die Kulissen blicken und fragen: Welche Organisation steht hinter den Vertrauensdiensten, und wer kontrolliert letztendlich die Vermögenswerte?

Digitale Souveränität: von der politischen Strategie zur konkreten Beschaffung

Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit, selbstbestimmt über digitale Infrastruktur, Technologien, Daten und Dienste zu entscheiden. Dabei zählt mehr als der Standort der Server: Entscheidend ist, wer entlang der gesamten digitalen Wertschöpfungskette Zugriff auf Daten und Infrastruktur hat, sie kontrolliert und rechtlich beeinflussen kann.

Das bedeutet weder Isolation noch vollständige Selbstversorgung. Vielmehr geht es darum, kritische Abhängigkeiten zu verringern und auch bei veränderten geopolitischen oder wirtschaftlichen Rahmenbedingungen handlungsfähig zu bleiben. Die EU hat in den vergangenen Monaten konkrete Schritte unternommen, um souveräne digitale Infrastruktur zu fördern:

  • April 2026: Die Europäische Kommission vergab einen Auftrag im Wert von 180 Millionen Euro für souveräne Cloud-Dienste für EU-Institutionen. Ihr „Cloud Sovereignty Framework“ bewertet Anbieter hinsichtlich rechtlicher und jurisdiktioneller Unabhängigkeit, Lieferketten, Technologie und Sicherheit.

  • 3. Juni 2026: Die Kommission stellte ihr „Technological Sovereignty Package“ vor, das Halbleiter, Cloud und KI, Open Source sowie die Digitalisierung des Energiesystems umfasst.

  • Bis zum 15. September 2026: Im Rahmen einer gezielten Konsultation zur Datenhoheit der EU wurden die Risiken des Zugriffs von Drittländern auf sensible Informationen untersucht.


Zwei Seiten derselben Medaille

Souveränität und Vertrauen sind eng miteinander verbunden, aber nicht dasselbe. Souveränität betrifft die Kontrolle über digitale Infrastruktur, den Ort der Datenverarbeitung und die geltenden Rechtsvorschriften. Vertrauen entsteht, wenn Unternehmen, öffentliche Stellen und andere Beteiligte darauf zählen können, dass ein Dienst zuverlässig und transparent funktioniert und Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.

Werden kritische Dienste auf einer Infrastruktur betrieben, die ausserhalb Europas kontrolliert wird, können Fragen zum anwendbaren Recht, zum Datenzugriff und zur Stabilität der Lieferkette entstehen. Solche Abhängigkeiten können das Vertrauen beeinträchtigen, unabhängig davon, wie fortschrittlich die Technologie ist.

Souveränität allein genügt jedoch nicht: Ein Anbieter ist nicht automatisch vertrauenswürdig, nur weil er in Europa ansässig ist. Sicherheit, transparente Prozesse und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen müssen durch Zertifizierungen, unabhängige Prüfungen und klare Haftungsregelungen belegt werden.

Souveränität schafft damit wichtige Voraussetzungen für Vertrauen; Vertrauen wiederum ermöglicht es, digitale Infrastruktur verlässlich zu nutzen. Resilienz verbindet beide Aspekte: Sie beschreibt die Fähigkeit eines Dienstes, auch unter veränderten Bedingungen funktionsfähig zu bleiben.


Vertrauen ist nur so souverän wie seine Grundlage

 

Zertifikate, elektronische Signaturen und Siegel bilden eine technische Grundlage für digitales Vertrauen. Damit Unternehmen sich langfristig auf sie verlassen können, müssen auch die Dienste und Infrastrukturen dahinter zuverlässig und widerstandsfähig sein.

Vertrauensdienstleister unterliegen in der EU und der Schweiz gesetzlichen Anforderungen, Prüfungen und Haftungsregelungen. Bei der Auswahl eines Anbieters sollten Unternehmen deshalb nicht nur die technische Leistungsfähigkeit beurteilen, sondern auch den geltenden Rechtsrahmen, mögliche Zugriffsrechte und Abhängigkeiten innerhalb der Lieferkette berücksichtigen.

Ein qualifizierter Anbieter, der unabhängig geprüft wird, den Umgang mit Schlüsseln und Infrastruktur transparent macht und seine Lieferkette offenlegen kann, schafft eine nachvollziehbare Grundlage für diese Entscheidung. So lassen sich Risiken erkennen und besser einschätzen, auch wenn sich geopolitische Rahmenbedingungen ändern.

Swisscom Trust Services ist sowohl nach der europäischen eIDAS-Verordnung als auch nach dem Schweizer ZertES zertifiziert. Das Unternehmen betreibt georedundante Rechenzentren und bezieht Hardware-Sicherheitsmodule von europäischen Anbietern. Der in Österreich zertifizierte Vertrauensdienst unterliegt dem europäischen Rechtsrahmen.

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