Author: Peter Amrhyn

Digitale Souveränität: 7 Fragen zu Vertrauen und Sicherheit beantworten

Digitale Souveränität wird für immer mehr Unternehmen in der Europäischen Union zu einem praktischen Thema. Vor dem Hintergrund neuer geopolitischer Realitäten und des Drucks auf globale Lieferketten suchen viele nach europäischen Alternativen für unverzichtbare Software. Besonders dringender Handlungsbedarf besteht bei Vertrauensdiensten, die Identifizierung, Authentifizierung, elektronische Signaturen und vieles mehr ermöglichen. Wir haben die 7 wichtigsten Fragen zusammengestellt, die Unternehmen jetzt beantworten können sollten:

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Wie wird digitale Souveränität definiert?
Laut Wikipedia bezeichnet digitale Souveränität das Konzept, dass ein Staat, eine Organisation oder eine Einzelperson die tatsächliche Kontrolle über die digitale Infrastruktur, Daten, Hardware und Software haben sollte, von denen sie abhängig ist. Die Europäische Kommission versteht darunter die Fähigkeit Europas, in der digitalen Welt unabhängig zu handeln. Dazu sollen Schlüsseltechnologien, Daten und Infrastruktur entwickelt und kontrolliert sowie Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern verringert werden. Wichtig ist dabei: Es geht nicht um technologische Abschottung oder um vollständige Selbstversorgung. Im Mittelpunkt steht vielmehr, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren und auch unter veränderten geopolitischen, wirtschaftlichen oder technologischen Bedingungen widerstandsfähig zu bleiben.
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Warum ist digitale Souveränität gerade jetzt wichtig?
In den vergangenen Jahren haben die geopolitischen Spannungen deutlich zugenommen. Gleichzeitig sind viele Technologiebereiche nach wie vor stark von US-amerikanischen oder chinesischen Anbietern abhängig. Deshalb suchen europäische Unternehmen nach Alternativen. Auch die EU hat auf diese Situation reagiert und erste konkrete Schritte unternommen, um die Eigenständigkeit des Technologiesektors zu stärken. Am 3. Juni 2026 stellte die Europäische Kommission ihr Paket zur technologischen Souveränität vor. Es umfasst die Bereiche Halbleiter, Cloud und künstliche Intelligenz, Open-Source-Technologien sowie die Digitalisierung des Energiesystems. Im April 2026 vergab die Kommission im Rahmen ihres neuen Cloud-Souveränitätsrahmens einen Auftrag im Wert von über 180 Millionen Euro für souveräne Cloud-Dienste für EU-Institutionen. Zudem führte sie bis zum 15. September 2026 eine Konsultation zur Wahrung der Datensouveränität der EU durch.
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Was bedeutet digitale Souveränität für das digitale Vertrauen?
Souveränität und Vertrauen sind eng miteinander verbunden, bedeuten aber nicht dasselbe: Bei der Souveränität geht es darum, wer die digitale Infrastruktur kontrolliert, wo Daten gespeichert und verarbeitet werden und welche Gesetze gelten. Vertrauen hingegen beschreibt, ob sich Nutzende, Unternehmen und Regierungen darauf verlassen können, dass ein Dienst zuverlässig und transparent ist und sein Anbieter Verantwortung übernimmt. Eine starke Abhängigkeit von Anbietern ausserhalb Europas kann das Vertrauen schwächen, etwa aufgrund von Bedenken hinsichtlich der geltenden Rechtsordnung, des Datenzugriffs, der Cybersicherheit und möglicher Unterbrechungen in der Lieferkette. Doch Souveränität allein schafft nicht automatisch Vertrauen: Auch ein Anbieter in europäischem Besitz muss nachweisen, dass er Daten schützt, ein hohes Mass an Cybersicherheit gewährleistet und transparent handelt. In der Praxis verstärken sich Souveränität und Vertrauen gegenseitig: Souveränität schafft die Voraussetzungen für Vertrauen, und Vertrauen macht eine souveräne Infrastruktur nutzbar und langfristig tragfähig.
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Welche Risiken entstehen für Unternehmen, wenn sie keine souveränen Vertrauensdienste nutzen?

 

Ein europäisches Unternehmen, das für Signaturen, Siegel, Zertifikate und digitale Identitäten auf einen Anbieter aus Übersee setzt, kann beispielsweise in Schwierigkeiten geraten, wenn geopolitische Spannungen dazu führen, dass der Heimatstaat des Anbieters ihn zur Zusammenarbeit mit seinen Behörden verpflichtet – vergleichbar mit dem US CLOUD Act. Daraus kann ein Konflikt mit den europäischen Verpflichtungen des Anbieters entstehen. Obwohl der Vertrauensdienst weiterhin der europäischen Aufsicht untersteht, liegen Teile seiner Kontrollstruktur und Infrastruktur ausserhalb des Zuständigkeitsbereichs der EU. Das schränkt die Handlungsspielräume europäischer Behörden ein.

Die Folgen reichen von Zweifeln der Kundinnen und Kunden an der Vertraulichkeit ihrer Daten bis hin zu eingeschränktem Zugang zu kritischen Systemen oder zur Nichtverfügbarkeit von Software. Im Extremfall ist der Anbieter nicht mehr in der Lage oder nicht mehr bereit, europäische Kunden zu bedienen.

 

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Gibt es verbindliche Vorgaben?
Auch wenn es bislang keine ausdrückliche EU-Gesetzgebung zur digitalen Souveränität gibt, unterliegen Vertrauensdiensteanbieter in der Schweiz und der EU bereits klaren Vorschriften und verpflichtenden Prüfverfahren: der eIDAS-Verordnung in der EU und dem ZertES in der Schweiz. Auch die Haftung ist klar geregelt. Mehrere neuere Anforderungen ergänzen diese Grundlagen: Gemäss der sogenannten «eIDAS 2.0» (Verordnung (EU) 2024/1183) muss jeder EU-Mitgliedstaat bis Ende 2026 eine zertifizierte europäische Brieftasche für die digitale Identität anbieten. Ab Ende 2027 gilt eine verpflichtende Akzeptanz im Privatsektor. Die NIS2-Richtlinie verpflichtet Vertrauensdiensteanbieter unabhängig von ihrer Grösse zum Risikomanagement im Bereich der Cybersicherheit und zur Meldung von Sicherheitsvorfällen. Artikel 24 der Richtlinie ermutigt wesentliche und wichtige Einrichtungen ausdrücklich dazu, qualifizierte Vertrauensdienste zu nutzen.
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Was sind die wichtigsten technischen Komponenten einer souveränen Infrastruktur, die digitale Vertrauensdienste nutzt?

Die wichtigsten Kriterien für einen souveränen Vertrauensdiensteanbieter sind:

  • Transparente europäische Eigentums- und Kontrollstrukturen

  • Rechtliche Unabhängigkeit: Klarheit darüber, welche Rechtsordnungen den Anbieter zur Offenlegung von Informationen oder zur Änderung seiner Dienste verpflichten könnten

  • Lokale Infrastruktur und lokaler Betrieb, einschliesslich Klarheit darüber, wer die kryptografischen Schlüssel erzeugt, speichert und kontrolliert

  • Transparenz in der Lieferkette, von Cloud-Anbietern über Hardware und Software bis hin zu Subunternehmern

  • Hohe Cybersicherheit, belegt durch anerkannte Zertifizierungen und unabhängige Audits

  • Glaubwürdige Vorkehrungen für den Weiterbetrieb und den Ausstieg bei geopolitischen Störungen, Sanktionen oder dem Ausfall eines Lieferanten

  • Langfristige strategische Resilienz: Da Vertrauensdienste in der Regel über viele Jahre hinweg genutzt werden, sollte Souveränität als fortlaufendes Abhängigkeitsrisiko und nicht nur einmalig bei der Beschaffung bewertet werden.

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Wie unterstützt Sie Swisscom beim Aufbau einer souveränen Infrastruktur?
Swisscom Trust Services ist ein qualifizierter Vertrauensdiensteanbieter gemäss eIDAS und ZertES sowie eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Swisscom, dem führenden Telekommunikationsunternehmen der Schweiz. Damit verfügt Swisscom Trust Services über transparente schweizerische und europäische Eigentums- und Kontrollstrukturen. Das Unternehmen unterstützt Organisationen in der Schweiz und der EU mit elektronischen Signaturen, elektronischen Siegeln, Zeitstempeln und digitaler Identifizierung. So können Partner grenzüberschreitende digitale Geschäftslösungen medienbruchfrei, vollständig digital und rechtskonform umsetzen. Mit der integrierbaren Fernsignaturplattform Smart Registration and Signing Service können Partner benutzerfreundliche Prozesse für elektronische Signaturen und Siegel schnell implementieren und an branchenspezifische Anforderungen anpassen. Der enthaltene Multiple Authentication Broker unterstützt zudem die Registrierung von Authentifizierungsmethoden und die Identifizierung von Nutzenden ohne zusätzliche Audits.

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