Autor*in: Johanna Böhm

Digitalisierung im Finanzsektor

An der Banken- und Finanzbranche gehen Digitalisierung und Technologisierung nicht spurlos vorbei. Dennoch haben schärfere Regulierungen, historisch niedrige Zinsen und hoher Kostendruck den Fokus erst einmal auf andere Felder verschoben. Die Kundenerwartungen und der Konkurrenzdruck erfordern aber eine stärkere Digitalisierung des Finanzsektors.

Relevanz der Digitalisierung in der Finanzbranche

Digitalisierung in der Finanzbranche

Neben nun steigenden Zinsen, hoher Inflation und einer möglichen europäischen Krise beschäftigen sich Banken und Finanzinstitute in jüngster Vergangenheit mit einem Thema besonders: der Digitalisierung. Sie birgt ungeahnte Chancen und Möglichkeiten, Geschäftsfelder in der Finanzbranche auszuweiten. Neben dem bereits gängigen Online-Banking steigt die Nachfrage nach digitalem Zahlungsverkehr, Remote-Geschäftsabläufen, Digitalkrediten u. v. m.

Experten gehen davon aus, dass die Digitalisierung die Finanzwelt in den nächsten fünf Jahren noch ordentlich durchrütteln wird. Es besteht ein immenser Handlungsbedarf und der Umbau traditioneller Geschäftsmodelle ist notwendig.

 

Herausforderungen für Unternehmen im Finanzsektor

Beim Bankengeschäft und in der Finanzdienstleistung handelt es sich um einen Sonderfall der Digitalisierung. Denn eines steht fest: Eine Bank bleibt eine Bank und wird ihre Geschäfte nicht vollständig digitalisieren. Dennoch ergeben sich spezifische Anforderungen im Hinblick auf die Digitalisierung.

Steigende Kundenerwartungen

Kund:innen wollen mittlerweile immer und zu jeder Zeit und von jedem Ort Bankgeschäfte tätigen können. Mit dem Smartphone in der Tasche ist dies schon um einiges leichter geworden, beschränkt sich aber meist auf das Online-Banking. Umfassende digitale Banking-Plattformen, digitale Kommunikationskanäle, Bargeld und kartenlose Zahlungsmittel gehören zu den Kernaufgaben der Finanzinstitute, wenn sie den Anforderungen ihrer Kund:innen gerecht werden wollen.

Zunehmende Konkurrenz

Digitale Währungsalternativen wie der Bitcoin, Smartphone Anbieter mit eigenen Zahlungssystemen und junge Fintechs setzen die Bank- und Finanzhäuser zusätzlich unter Druck. Es gilt auf bereits vorhandene innovative Lösungen zu reagieren und eigene zu schaffen, wenn etablierte und traditionelle Bankhäuser nicht den Anschluss verpassen wollen.

Regulatorische Anforderungen

Seit dem globalen Beben an den Börsen und der Finanzkrise im Jahr 2008 sind die Rufe nach mehr Kontrolle und Transparenz der Finanzbranche sehr laut geworden. In vielen Bereichen sind etwa Blockchains bereits etabliert und machen den Geschäfts- und Zahlungsverkehr sehr viel transparenter. Mit der Digitalisierung der Finanzwelt bietet sich die Möglichkeit der umfassenden Transparenz.

 

Kundenerwartungen an die Prozesse im Bankwesen

Mittlerweile tätigt jede oder jeder Dritte Bankgeschäfte ausschliesslich mobil. Kund:innen haben sich also längst an den Komfort digitaler Lösungen gewöhnt und suchen schon nach mehr. Nach smarten Apps und noch mehr Sicherheit beim digitalen Zahlungsverkehr. Mit Blick auf die Firmenkund:innen der Finanzwelt ergeben sich noch weitere Handlungsfelder. Dabei stehen Transparenz und Liquidität im Vordergrund. Auch ergibt sich für Banken und Finanzinstitute gleichzeitig die Möglichkeit, direkter an den Prozessen beteiligt zu werden, für die sie Kredite zur Verfügung stellen.

 

Vorteile der Digitalisierung im Finanzsektor

Die Digitalisierung des Finanzsektors betrifft aber nicht allein den Privatkunden- oder Firmenbereich, sondern sollte umfassend auch auf interne Prozesse und Abteilungen in den jeweiligen Häusern betrachtet werden. Daraus ergeben sich zahlreiche Vorteile:

Kostensenkung

Mit der Erweiterung von Onlinediensten und digitalen Zahlungsmöglichkeiten werden gleichzeitig hochspezialisierte Fachkräfte eingesetzt und ganz viel Papier gespart. Das senkt die Material- und Personalkosten enorm. Unter Umständen lassen sich über Remote-Arbeitsplätze u. a. auch Mietkosten einsparen.

Effizienzsteigerung interner Prozesse

Interne Prozesse können digital enorm vereinfacht, besser strukturiert und beschleunigt werden. Elektronische Signaturen, digitale Verträge sowie zentrale Datenbanklösungen schaffen freie Kapazitäten und steigern die Effizienz von Mitarbeiter:innen, die bisher in langwierige und meist ermüdende papierbasierte, immer wiederkehrende Prozesse involviert waren. Das steigert auch die Mitarbeiterzufriedenheit.

Verbesserung der Kundenzufriedenheit und -bindung

Digitalisierte Strukturen erhöhen die Kundenzufriedenheit, Transaktionen und Conversion Rates, weil sie mehr Optionen schaffen. Ein besserer und schnellerer Zugriff auf Onlinedienste der Finanzhäuser steigert demnach die Kundenbindung enorm.

 

Anforderungen an Unternehmen im Finanzwesen

Banken und Finanzinstitute stehen mit den Anforderungen an die Digitalisierung vor einem immensem Wandel und der Anpassung ihrer Geschäftsmodelle. Dieser Wandel darf nicht singulär von oben gedacht werden und darf nicht allein die Technologien betreffen, sondern er betrifft insbesondere auch interne Strukturen und Prozesse. Die Finanzbranche steht demnach übergreifend vor einem Change Management, in das Mitarbeiter:innen sowie Kund:innen einbezogen werden müssen.

Aus technologischer Sicht sollten sich jedes Finanzinstitut mit Clouds, Big Data und IT-Security beschäftigen. Erforderlich erscheint speziell die Automatisierung von Prozessen und Überprüfungen, z.B. für den GWGW-Zweck oder etwa bei Kreditvergaben. Identifizierungsverfahren, Signaturen, Onboarding Lösungen und Verträge liessen sich in starkem Masse digitalisieren und würden mehr Effizienz und Schnelligkeit garantieren.

Daraus ergibt sich auch die massiv gestiegene Nachfrage nach jungem Personal, das den digitalen und technologischen Wandel durch und durch versteht, mitträgt und weiterentwickelt. Digital Natives können die Digitalisierung in die Finanzbranche vorantreiben. Kundengewinnung und -bindung kann dabei nicht mehr allein über die traditionellen Geschäftsfelder erfolgen. Es bedarf neuer Lösungen und Services, die über die bisherigen Leistungen hinausgehen.

 

Dabei müssen gerade Banken und Finanzhäuser den richtigen Mix aus Onlineangeboten und Filialgeschäft finden. Banken werden zwar digitaler, aber eine Voll-Digitalisierung wie im Handel bleibt in den allermeisten Fällen aus. Dieses Hybrid-Geschäft mit den Ansprüchen der Privat- und Firmenkund*innen in Einklang zu bringen, stellt die Finanzbranche vor eine grosse Herausforderung. Strukturen für den digitalen Zahlungsverkehr und Online-Informationen sind unabdingbar, aber das Beratungsgespräch vor Ort oder virtuell bleibt wesentlicher Erfolgsfaktor.

 

Erfolgsfaktoren des digitalen Wandels im Finanzsektor

Die Erfolgsfaktoren des digitalen Wandels im Finanzsektor

Die Digitalisierung im Finanzwesen ist nicht allein Frage der Technologie. Es bedarf insbesondere auch eines klaren Fokus, eines abgesteckten Budgets und der Leitung von oben. Vor allem muss sie sich auf alle Bereiche und Abteilungen ausdehnen, ansonsten entstehen Inseln im Betrieb. Vernetzung und Verzahnung garantieren zentrale und effiziente Strukturen und die Möglichkeit der Prozessautomatisierung. Der Kundenfokus ist immens wichtig bei der Digitalisierung. Ziele sollten dabei Transparenz und Mobilität sein. 

Gleichzeitig dürfen nach der Einführung entsprechender Arbeitsabläufe und Technologien nicht die Hände in den Schoss gelegt werden. Digitales und Technologie bleibt auch nicht stehen. Es muss also stetig daran gearbeitet werden, um Prozesse und Servicedienste kontinuierlich auszubauen und zu verbessern.

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