Die NIS2-Richtlinie legt die Messlatte für Cybersicherheit und betriebliche Widerstandsfähigkeit in der EU deutlich höher. Für viele Unternehmen besteht die Herausforderung jedoch nicht darin, zu verstehen , was NIS2 verlangt, sondern darin, wie sie die regulatorischen Verpflichtungen in konkrete Prozesse, Systeme und Verantwortlichkeiten umsetzen können. Wir haben einen Prozessplan mit 5 Schlüsselschritten entwickelt, die für die Tätigkeit in einem regulierten Sektor unerlässlich sind.
Jede NIS2-Reise beginnt mit Klarheit. Der erste Schritt ist eine strukturierte Bewertung Ihrer aktuellen Informationssicherheitslage sowie eine Lückenanalyse im Vergleich zu den NIS2-Anforderungen.
In dieser Phase sollten drei entscheidende Fragen beantwortet werden:
Wo erfüllen wir bereits die NIS2-Erwartungen?
Wo gibt es Lücken in der Verwaltung, der Dokumentation oder den technischen Kontrollen?
Welche Risiken könnten unseren Betrieb realistischerweise beeinträchtigen?
Ohne diese Grundlage besteht bei Investitionen in Tools oder Kontrollen die Gefahr, dass diese falsch ausgerichtet oder unwirksam sind.
NIS2 fördert ausdrücklich einen risikobasierten Ansatz. Nicht jedes System, jeder Prozess oder jede Anlage birgt dasselbe Risiko. Organisationen sollten die Prioritäten für Massnahmen auf der Grundlage von:
Bedrohungen für Netzwerk- und Informationssysteme,
Auswirkungen auf wesentliche oder wichtige Dienste,
und die möglichen Folgen für Kunden, Partner und Aufsichtsbehörden.
Diese Priorisierung stellt sicher, dass begrenzte Ressourcen dort eingesetzt werden, wo sie das Risiko am stärksten verringern – ein Grundprinzip der NIS2 und der modernen Cybersicherheits-Governance.
Technologie allein schafft noch keine Compliance. NIS2 erfordert, dass Sicherheitsmassnahmen in klare Prozesse und Verantwortlichkeiten eingebettet werden. In dieser Phase wählen die Unternehmen Sicherheitstechnologien aus und stimmen sie aufeinander ab. Für jede Technologie sollten sie klare Regeln und Verantwortlichkeiten festlegen. Richtlinien, Verfahren und Schulungsprogramme sorgen dafür, dass alle relevanten Teammitglieder eingebunden und mit den erforderlichen Informationen versorgt werden. Der Schlüssel liegt in der Koordination: Tools müssen Prozesse unterstützen, und Prozesse müssen von den Mitarbeitern verstanden und gelebt werden.
Schritt 4: Implementierung und revisionssichere Dokumentation
Die Implementierung sollte einem strukturierten, schrittweisen Ansatz folgen. Die NIS2 legt grossen Wert auf die Dokumentation, nicht als blosse Bürokratie, sondern als Nachweis von Kontrolle und Verantwortlichkeit. Im Falle eines Vorfalls werden Unternehmen davon profitieren, dass sie über implementierte Strategien und Richtlinien sowie über klare Pläne für das Management von Vorfällen und die Reaktion darauf verfügen. Die gesamte Dokumentation sollte revisionssicher und transparent sein und konsequent gepflegt werden.
Mit NIS2 werden strenge Meldepflichten und -fristen für Vorfälle eingeführt. Die Einhaltung der Vorschriften erfordert daher getestete und nicht nur dokumentierte Meldeketten. Dadurch wird die Berichterstattung von einer theoretischen Anforderung zu einer operativen Fähigkeit.
Zu den regelmässigen Aktivitäten sollten gehören:
Durchführung von Vorfallsimulationen und Notfallübungen
Testen von Eskalations- und Entscheidungswegen
Sicherstellen, dass die Meldefristen auch unter Druck eingehalten werden können
Damit sind unsere fünf beispielhaften Meilensteine auf dem Weg zur NIS2-Konformität abgeschlossen. In unserem nächsten Blogbeitrag werden wir uns eingehender mit einem Infrastrukturaufbau beschäftigen, den jedes Unternehmen in einem regulierten Sektor als Grundlage für IT-Sicherheit und Compliance nutzen sollte. Bleiben Sie dran!
Wenn Sie mehr über das Thema lesen und tiefer in die direkten Anforderungen der NIS2-Verordnung eintauchen möchten, können Sie hier unser kostenloses Whitepaper mit einer Checkliste zur Selbsteinschätzung herunterladen .